31. Tag; So. 14. September 2014: St-Gengoux-le-National – Taize; ~15km
Kurz vor 8 Uhr kam die Frau der Unterkunft und richtete im pink/rosa Herzchenschlafanzug das Frühstück für mich. Abrechnen würde sie auch gerne gleich, gibt sie mir mit reibendem Daumen auf Zeigefinger zu vertstehen. Das macht dann 45,-€. Genauer gesagt mein Budegt für 3 Tage für eine Übernachtung und Frühstück.
So geht’s wenn man sich nicht vorher nochmal nach dem Preis erkundigt. Naja, zumindest waren die Nächte davor günstiger ausgefallen, dann gleicht es sich wieder etwas aus.
Wieder auf dem Weg schriebt der Reiseführer heute geht man am besten entlang der Voie Verte (übersetzt „grüne Trasse“), eine ehemalige Zuglinie, die nun als Fahrras-, Skate- und Wanderweg dient, um auf dem Weg nach Cluny in Taize vorbeizukommen. Die Strecke sollte entsprechend auf glattem Asphalt, eben und ziemlich gradlining nach Cluny führen. Eine weitere Wegbeschreibung sei daher nicht notwendig.
Als ich der Muschel folge stelle ich daher irgendwann für mich fest, dass ich falsch sein muss, den ich bin gerade dabei einem steinigen Feldweg bergauf zu folgen. Sch…! Ich habe muschelfixiert den Wanderweg und nicht die Alternativroute einggeschlagen. Naja, wer weiß wofür es gut ist. Zumindest ist der Weg schöner und ansprechender als Stundenlang geradeaus zu gehen.
Als ich an ein Schild komme, dass nach Taize weißt, komme ich der Verzweiflung allerdings doch etwas näher. Mein Veralteter Reiseführer behauptet nämlich, dass der Jakobsweg nicht an Taize vorbeiführt und hat gerade deswegen die Voie Verte angegeben. Jetzt werd ich hier im Zickzack zurück auf den anderen Weg geführt. Meine Füße schmerzen und ich hab noch gernügend km vor mir, jetzt reichts „was soll denn der Scheiß?“!
Mit den Nerven am Ende komme ich Mittags in Taize an. Zuvor völlig allein unterwgs, traf ich hier auf eine Menschenmasse. Wo bin ich denn hier gelandet? Und alle sprechen deutsch. Ein netter Mann am Empfang fragt mich, ob ich denn bleiben würde. Da hätte cih natürlich nichts dagegen, wenn es denn möglich wäre nur eine Nacht zu blieben statt einer ganzen Woche und in meinem Budget liegt. Es ist möglich und bei 10 € mit Vollverpflegung liegt es auch im Budget. Also gut, ich bleibe hier. Mittagessen gibt’s auch gleich; Kartoffelbrei mit Reibekäse drüber, ein Apfel und ein Keks. Ein Deuschter junger Mann grüßt mich beim Schlagestehen mit „Ola“, hält mich wohl aufgrund meiner Bräune für eine Spanierien. Hab nichts getan, um dass Missverständnis auszuklären und antworte nur mit einem Lächeln 🙂
Bei der Zimmerverteilung finde ich mich bei den Jugendlichen (bis 29 Jahre) wieder; auch recht. Lande in einem ~12 qm Barackenzimmer mit 3 Stockbetten und 5 anderen Mädels. Es geht recht schnell und ich bin „die die den Jakobsweg geht“. Um 20:30Uhr findet die Abendandacht statt und meine Zimmergenossinnen freuen sich alle, dass ich hier bin und den Zauber von Taize erleben kann. Ob ich denn schon mal an einer taizeische Andacht teilgenommen habe? Nein. Also, damit ich mich nicht wundere (denn in der Kirchewird nicht gesprochen, deswegen vorher schon mal die Aufklärung), erst wird gesungen und dann folgen 10min Stille.
Die Kirche ist voll hier mangelt es nicht an Nachwuchs, das Gebäude erinnert mehr an eine Turnhalle als an eine Kirche. Das Licht ist gedämmt, vorne brennen zig Kerzen, im Mittelgang sitzen die Brüder, links und rechts davon – auf dem Boden – die Besucher. Die für Taize berühmten Glocken schlagen Minutenlang, dann setzt der Gesang ein. Die Atmosphäre ist wirklich schön und es wundert mich nicht, dass es so viele hier her zeiht. Es folgt ein Lied nach dem anderen, dann ein Psalm, der auf drei verschiedenen Sprachen rezitiert wird, die angeünditgten 10min Stille und dann wieder Lieder. Um 22:00Uhr haben zwar schon einige den Raum verlassen, andere singen aber immer noch, ich gehe jetzt auch mal, nachher singen die noch die ganze Nacht durch. Später klärt man mich auf, dass es durchaus schon vorgekommen sein, dass die Nacht durchgesungen wurde.