22.08.2014

Jakobsweg: Rexingen – Freiburg

5. Tag; Di, 19. August 2014: Rexingen – Schwabenhof; ca. 28km

BILD4039Als ich in Rexingen aufbrach schien die Sonne. Etwa 2 km weiter liegt Ihlingen, wo ich in der Kirche einen Stempel für meinen Pilgerpass bekam und eine Kilometer-Information. Bis Santiago de Compostela sind es von Ihlingen laut Wandgemälde noch 2227km. Also schlicht und ergreifend ziemlich weit weg!

An diesem Tag habe ich kaum einen Menschen getroffen oder gesprochen. Meine angrefragten Couchsurfer-Host haben sich nicht zurück gemeldet und als ich in Loßburg – meinem Tagesziel – ankomme, habe ich noch keine Übernachtungsgelegenheit. Ich beschließe zunächt mal zu Abend zu essen und als sich danach immer noch nichts auftat, entschied ich mich dazu mir einen Schlafplatz im Wald zu suchen.

Also lief ich erst mal weiter, immer mit Blick in den Wald, auf der Suche nach einer geeigneten Stelle. Es erwies sich als gar nicht allzu leicht eine Stelle ausfindig zu machen, die weder vom Weg, noch von einem Hochsitz der Jäger aus gleich zu sehen ist.

Letztlich ging ich einen etwas weniger frequentiert aussehenden steilen Seitenweg hoch, an dem ein weiterer Weg entlang einer Höhenlinie abzweigte. Dort breitete ich meine gegen das Zelt eingetauschte Plane aus, legte meine Isomatte und den Schalfsack drauf und legte mich schlafen.

Es war ziemlich frisch, aber immerhin regnete es nicht 😉

 

6. Tag; Mi, 20. August 2014; Schwabenhof – Schiltach; 13,5km

Morgens war mein Schlafsack etwas nass. In der Hoffnung es sei etwas wärmer, habe ich abends noch die Plane über mich drüber. Mein Atem kondensierte an der Plane und der Schlafsack saugte es wieder auf. Also das nächste mal wenn’s nicht regnet, lieber ohne Plane drüber!

Die nächste Ortschaft war Alpiersbach, etwa drei Kilometer weiter. Dort wollte ich erst mal frühstücken.  Den Leuten mir frischem Gemüse in den körben nach zu urteilen, gab es einen markt, den ich leicht ausfindig machen konnte. Dort besorgte ich mir einen leckeren Nusszopf und noch etwas Gemüse als Proviant und beim Bäcker gab’s dann noch einen Cappucino.

Mit meiner überaus zufriedenstellenden Beute setzte ich mich in den Park und kramte nochmal meinen nassen Schlafsack raus, damit er trocknen konnte.

Mein Tagesziel war Schiltach, dort hatte ich eine Couchsurfing-Zusage erhalten. Da ich auf der Suche nach meinem Schlafplatz im Wald so lange einfach weiterglaufen bin, war es heute nicht mehr weit. Meine Füße wussten das durchaus zu schätzen, denn sie schmerzen zeitweise doch ziemlich stark. Kurz vor Schiltach saßen zwei Frauen auf einer Bank und ich fragte sie, ob sie auch den Jakobsweg gehen würden. Und so traf ich die ersten anderen Pilgerinnen auf meiner Reise.

In Schiltach musste ich einige Zeit verbringen, da ich Mittags ankam und klar war, dass meine Gastgeberin erst gegen 21Uhr zu Hause sein würde. Also legte ich mich bei einem Spielplatz ans Ufer eines Baches und lies die Zeit verstreichen. Gegen 19Uhr bin ich dann doch schon mal in den Ort reingelaufen. An der Kirche hörte ich dann jemanden meinen Namen rufen. Es war meine Gastgeberin, die mich am Rucksack erkannte. Sie müsse zwar noch wo hin, aber ich könnte auch gerne mitkommen.

Sie war auf dem Weg zu einem Jugendcamp, das die Fertistellung ihres Projektes – einem Baumhaus – feierte. Das wollte ich mir natürlich auch gerne anschauen. Und es war einfach nur großartig! Es war nicht nur ein einfaches Baumhaus, sondern vielmehr eine miteinander verbundene Baumhaussiedlung mit mehreren Plattformen und Etagen. Echt toll.

 

7. Tag; Do, 21. August 2014; Schiltach – Büchereck; ca. 23,5km

Nach einer Dusche und einem gemeinsamen Frühstück ging’s wieder weiter. Erstes Streckenteilziel war Skt.- Jakob eine kleine Kirche mitten im Wald. Und wer war schon da? Die zwei sympatischen Pilgerinnen vom Vortag.

Wir freuten uns alle uns wiederzusehen und beschlossen ein Stück gemeinsam weiter zugehen. Es war richtig schön auch mal wieder in Gesellschaft zu sein und sich etwas zu unterhalten. Kurz nach Kirnbach trennten sich allerdings unsrere Wege wieder, da ich weiter Richtung Gutach ging und die beiden (aus Anschlussgründen für die Heimfahrt) nach Hausach.

Wieder allein unterwegs fühlte ich mich erstmals richtig allein. Zumal weit und breit wieder keine Menschenseele zu sehen war.

Für Gutach – meinem Tagesziel – hatte ich zwar auch über Couchsurfing nach einer Übernachtungsmöglichkeit gesucht, jedoch hat sich auch ierfür niemand gemeldet. Nach einem kurzen Supermarktbesuch für Proviant, Fußcreme und Blasenpflaster, entschloss ich mich deshalb für eine weitere nacht im Freien. Der Himmel war klar und es würde hoffentlich nicht regnen.

Zunächst einmal musste ich jedoch erstmal wieder Richtung Wald weitergehen. Auf meinem Weg traf ich auf eine ältere Frau, die gerade Gras zusammen rechte. sie sprach mich an, wo ich denn jetzt noch hin wolle (es war ca. 19Uhr). Wir kamen ins Gespräch und dabei kam heraus, dass es zwischen Gutach und Landwassereck noch eine Schutzhütte gibt, die offen sei und in der ich auch schlafen könne. Also stand mein Ziel fest. dafür musste ich allerdings noch einige Höhenmeter raufschnaufen. Die Hütte hab ich leer vorgefunden, was mir ganz recht war. Als ich mich schlafen legte, fing es an draußen an der Hütte laut zu polterten. Angst hatte ich bei dem Gedanken, es könne ein Mensch sein. nach einer Weile war ich mir jedoch sicher es handelte sich um ein Tier und ich konnte mich wieder etwas entspannen und mehr schlecht als recht einschalfen (auf dem Boden ist es einfach zu hart).

 

8. Tag; Fr, 22. August 2014; Büchereck – Oberwinden; ca. 17,5km

Vom Buechereck fuehrten zwei Wege Richtung Landwassereck der offizielle Jakobsweg mit 3km und ein Wanderweg mit 2km. Da es frueh am morgen war und ich noch nichts im Magen hatte, entschied ich mich fuer den vermeintlich kuerzeren Weg.

Ich folgte also dem anderen Wanderwegzeichen anstatt der Jakobsmuschel und stand eine halbe Stunde spaeter ohne weitere Wegzeichen mitten im Wald. Also ging ich querfeldein in die Richtung in der ich mein Ziel vermutete. Die Hoehenmeter, die ich zuvor runtergegangen war, ging ich nun wieder hinauf, um sie, als ich auf einen Waldweg kam, gleich wieder runter zu gehen. Statt einen km Weg zu sparen, bin ich vermutlich 3 x so viele (insb. Hoehenmeter) mehr gelaufen. Mit Bequemlichkeit komme ich also auf diesem Weg nicht weiter.

Mein Ziel, die Hoehengaststaette Landwassereck, habe ich dennoch erreicht und dort erst mal gefruehstueckt.

Den restlichen Tag ging’s auf einem Hoehenweg schoen parallel durch’s Elztal bis nach Oberwinden. Dort holte mich Jan mit dem Auto ab und wir fuhren zu seinen Eltern nach Kirchhofen (hinter Freiburg).

 

9. Tag; Sa, 23. August 2014;  Oberwinden – Gundelfingen; ca. 21,5km

Nach einem super Fruehstueck beka,en Jan und ich einen „Shuttel-Service“ zurueck zu meinem gestrigen Endpunkt in Oberwinden.

Ohne Gepaeck, dafuer mit Jan an meiner Seite, ging es nun vermehrt durch kleinere Ortschaften und entlang von Baechen, immer schoen eben, bis nach Gundelfingen. Dort liessen wir uns wieder abholen.

Wir warteten an einer Infotafel und ploetlich hoerten wir jemanden vor sich hinfluchen. Es war ein Mann, der sich um’s Eck eingerichtet hatte. Nach einer Weile kam er mal raus und verschffte sich einen Eindruck von uns. Wir gruessten ihn, worauf er jedoch nicht reagierte. Laut fluchend ging er zurueck, um wenig spaeter seinen Sack mit seiner Habe neben Jan auf den Boden zu platzieren. Er ging nochmal zurueck und kam abermals wieder; diesmal mit einem vollen Topf mit Pasta. Auch auf Jan’s Wunsch „n‘ Guate“, gab’s keine Erwiederung. Seltsam und gleichzeitig spannend, dass er sich trotzdem zu uns gesetzt hat.

Gleich darauf kam Jans Vater angefahren und holte uns ab. Abends gingen wir noch nach Freiburg in eine Bar und tranken ein Bierchen. Um Mitternacht waren wir aber schon wieder zurueck, denn am naechsten Tag ging’s ja wieder weiter.

 

10. Tag; So, 24. August 2014;  Gundelfingen – Kirchhofen; ca. 21km

Wieder bestens gestaerkt, fuhr uns Jans Mutter wieder nach Gundelfingen. Freiburg war nicht allzuweit , sodass wir zur Mittagszeit dort ankamen.

Wir goennten uns einen Flammkuchen und Heisse Schocki bzw. einen Cappucino, bevor es weiterging Richtung Kirchhofen.

Unser Weg fuehrte durch das Vorzeigeviertel Vauban, in dem +Energie-Haeuser stehen. Besonders schoen fand ich die allerdings nicht. Dann ging’s hoch in den Wald der“Berghauser Matten“ und zum Schluss noch ein Stueck durch die Weinberge.

Kurz bevor wir den Wald verliessen, trafen wir auf einen Mann, der auf einer Bank sass. Wir gruessten ihn und als er meinte, man muesse das gruen noch geniessen solange es das noch gibt, kamen wir ins Gespraech.

2025 meinte er, gaebe es nach Meinung der Wissenschaft an dieser Stelle nur noch Wueste. Man gehe Davon aus, es gaebe eine Heuschreckenplage, die alles fressen und vernichten wuerde. Davon mal abgesehen, spiegelte er mir unverbesserlich eine Seite von mir, die zum Pessimismus neigt und aufzeigt, was in der Welt alles schief laeuft. Wie schlecht und schlimm alles ist und ueberhaupt sind doch alle nur noch Konsumorientiert etc. und Soziale Arbeit sorgt doch nur dafuer, dass Menschen sich dem System anpassen. Und so befand ich mich ganz ploetzlich in der Position, Gegenargumente und Sichtweisen anzufuehren, die aufzeigen, dass nicht alles schlecht ist, dass es durchaus Hoffnung gibt und dass ich die auch brauche, denn sonst koennte ich mir ja gleich einen Strick nehmen und mich am neachsten Baum erhaengen.

Obwohl wir bis auf unsere Getraenke kein Gepaeck hatten, schmerzten die Fuesse am Ende des Tages und selbst Jan, fuer den es erst der zweite Tag war, kam ziemlich wackelig daher. Die Sauna am Abend war daher der reinste Luxus zum entspannen.

 

 

Kommentare

Liebe Theresa,
vielen Dank, dass ich an Deiner Reise auf diese Art teilnehmen darf, es ist sehr spannend, von Dir zu lesen!!
Inzwischen wird es ganz schön frisch vor allem auch nachts und der Regen scheint ein Dauergast zu sein. Ich hoffe, Dir geht es weiterhin gut auf Deiner Wanderung und ich wünsche Dir vor allem viele gute und günstige „Zufälle“, die Dir die Reise angenehm machen und dass Du alles findest, was Du suchst und noch viel mehr!
Ganz herzliche Grüße von Uta

Liebe Thersa,
ich bin in deine Beschreibungen eingetaucht – danke für diese Möglichkeit. Wo du jetzt wohl gerade steckst?! (es ist dunkel und nass draußen, ich schreibe dir aus meinem gemütlichen Bett mit wärmender katze an meiner Seite).
liebe Grüße und gute Führung- ich werde dich weiter begleiten, wenn du von dir hören lässt.
Simone

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